Zum Inhalt springen
← Alle Artikel
Werte die tragen06. November 20264 Min. Lesezeit

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst

Mut zeigt sich oft in kleinen Momenten: sich trotz Unsicherheit melden, für andere einstehen oder Fehler wagen. Erfahre, wie Eltern und Lehrkräfte Kinder darin bestärken können, mutig zu handeln – auch wenn die Angst dabei ist.

von Mario Hartmann

sobe5 - Mut in kleinen Momenten

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst

Ein Kind meldet sich, obwohl es damit rechnet, dass die Antwort vielleicht nicht richtig sein wird. Für Erwachsene ist das eine Kleinigkeit. Für das Kind kann es ein echter „Mutausbruch“ sein.

Eine Situation, die immer wieder entsteht

Im Unterricht lachen zwei Mitschüler, als eine Klassenkameradin beim Vorlesen stockt. Ein drittes Kind sagt ruhig: „Lass sie doch lesen so gut sie kann.“ Niemand applaudiert auf diesen Kommentar hin, und doch verändert sich der Raum. Mut schwirrt durch die Luft und schon reihen sich die nächsten ein: „Ja, lass sie lesen.“
Gerade in Familien und Schulen wird viel zu schnell über das gesprochen, was nicht funktioniert. Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Welche Haltung wollen wir bei Kindern fördern? Und woran können Kinder diese Haltung im nächsten, ganz gewöhnlichen Moment erkennen?

Was dahintersteckt

Mut beginnt häufig dort, wo Menschen etwas Richtigeres tun, obwohl es unbequem ist. Kinder brauchen deshalb nicht die Aufforderung, immer furchtlos zu sein. Sie brauchen Erfahrungen, in denen Unsicherheit erlaubt bleibt, Handeln trotzdem möglich ist und Fehler als fester Bestandteil einer jeden Entwicklung verstanden wird.
Das sobe5-Prinzip „Schade weder dir selbst noch anderen.“ kann dabei als gemeinsame Erinnerung dienen. Wie soll ich mich verhalten? Was bedeutet meine Entscheidung für mich und die anderen? Das sind Fragen, die es lohnt, mit Kindern zu erörtern. Und das sei gleich vorweggenommen: Sie werden überrascht sein, was die Kinder an Antworten parad haben. 😊
Für die weitere Handlung braucht es keine makellose Umsetzung. Wer in einem entscheidenden Moment innehält, genauer hinsieht oder neu beginnt, hat bereits etwas verändert. Der nächste Schritt muss überschaubar bleiben, damit aus einem guten Gedanken auch eine entsprechende Handlung wird.

Ein Impuls zum Ausprobieren

Frage dein Kind: „Wann warst du diese Woche mutig, obwohl dein Herz schneller schlug?“ Und danach unbedingt Folgendes tun: Würdige den Versuch, nicht nur das Ergebnis!
Wichtig ist anschließend ein kurzes, gemeinsames Nachdenken: Was war leicht? Was war schwierig? Und was möchtest du beim nächsten Mal anders machen? So entstehen Gespräche zwischen euch und eurem Kind, in denen Entwicklung sichtbar wird, ohne Menschen auf Fehler zu reduzieren.

Zum Schluss

Denke immer daran: Eine mutige Gemeinschaft entsteht aus vielen kleinen Entscheidungen für das Richtige. Nicht immer leicht, aber immer leichter, wenn man es übt.